Lesereihe Drei 

Die Kolonien schreiben zurück

Stimmen Afrikas | Literaturen afrikanischer Autor*innen

Literatur in Wersten | Mein Lesekreis

"Wer kennt sie nicht, die Worte: >>Ich hatte eine Farm in Afrika am Fuße der Ngong-Berge.<<. Worte der dänischen Schriftstellerin Tania Blixen (Jenseits von Afrika), die in die Literaturgeschichte eingingen. "

 

"Das Afrikabild, das in Europa gezeichnet wird, ist leider häufig sehr verzerrt und tendenziös. Es reduziert einen ganzen Kontinent auf autokratische und diktatorische Alleinherrscher, manipulierte Wahlen, Unterdrückung und Kriege..

Stereotype über Afrika:  Armut, Hungersnöte, Krieg, Korruption, Krankheiten, Elend, Terror und Gewalt

Dabei ist die Realität vielschichtiger und hoffnungsvoller. Deshalb ist es wichtig, die Menschen, insbesondere die Intellektuellen und Aktivisten, zu Wort kommen zu lassen. 

Zu selten erscheinen jedoch afrikanische Schriftsteller*innen in den deutschen Bestsellerlisten.. In unserer Lesereihe Drei werden sechs Bücher  vorgestellt, die man gelesen haben muss:. Wir starten mit dem Roman einer Autorin, die 2021  den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten hat. Tsitsi Dangarembga. Eine der gewaltigsten literarischen Stimmen Afrikas.

horst g. flämig | moderation LiWe


Literatur in Wersten | Mein Lesekreis

Projekt Eins

Verleugnen 

(Original: "The book of not"

Tsitsi Dangarembga

Tambu lernt bis zum Umfallen. Doch eine herausragende schwarze Schülerin ist an einer weißen Klosterschule in Simbabwe nicht vorgesehen. Mit grausamer Genauigkeit beschreibt Tsitsi Dangarembga in „Verleugnen“, wie das Mädchen immer wieder scheitert. 

Ohne jede Chance


»Verleugnen« ist mit »Aufbrechen« und »Überleben« Teil der gefeierten Romantrilogie von Tsitsi Dangarembga über das Leben der jungen Tambudzai.

Als Simbabwe die Unabhängigkeit erlangt, beginnt die Protagonistin Tambudzai Sigauke ihr zweites Jahr am Young Ladies' College of the Sacred Heart. Eine Schule, in der die Rassenkonflikte des kolonialen, vorstaatlichen Simbabwes tief verankert sind. Die Missionsschule wird von weißen Nonnen geführt, die es als Beweis ihrer Nächstenliebe sehen, dass sie Schwarze Schülerinnen - fünf an der Zahl - in die Schule aufgenommen haben. Doch die Schülerinnen führen ein ungleiches Leben: So müssen die Schwarzen Schülerinnen alle gemeinsam in einem Raum, der als "afrikanischer Schlafsaal" bekannt ist, übernachten. Und obwohl Tambudzai, die sehr ehrgeizig ist, die besten Noten ihres Jahrgangs hat, gelingt es ihr nicht, in die Ehrenliste der Schule aufgenommen zu werden - stattdessen wird der erste Platz von einem weißen Mädchen namens Tracey besetzt. Je mehr sie sich anstrengt, anerkannt zu werden, desto weiter fühlt sich Tambu von jeder Belohnung entfernt und die Auswüchse des Kolonialismus drohen ihr bei jedem Schritt ein Bein zu stellen.

Tsitsi Dangarembga ist Filmemacherin und Autorin.  Die BBC zählte sie zu den »100 Women«, die die Zukunft prägen. Seit 2009 steht sie dem Creative Arts for Progress in Africa Trust vor. 2021 erhielt sie den PEN Pinter Prize, den PEN International Award for Freedom of Expression und den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. 2022 gehörte sie der Jury der Berlinale an und wurde mit dem renommierten Windham-Campbell Prize 2022 der Yale University ausgezeichnet. 

Inhalte von Youtube werden aufgrund deiner aktuellen Cookie-Einstellungen nicht angezeigt. Klicke auf “Zustimmen & anzeigen”, um zuzustimmen, dass die erforderlichen Daten an Youtube weitergeleitet werden, und den Inhalt anzusehen. Mehr dazu erfährst du in unserer Datenschutz. Du kannst deine Zustimmung jederzeit widerrufen. Gehe dazu einfach in deine eigenen Cookie-Einstellungen.

Zustimmen & anzeigen


Tsitsi Dangarembga erhält Friedenspreis

"Lautwerden für die Stimmlosen"
Zitat: Rita Auma Obama in ihrer Laudatio für die Friedenspreisträgerin (* 1960 in Nairobi) Kenianische Germanistin, Soziologin, Journalistin und Autorin. Sie ist die ältere Halbschwester des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama. 

Literatur in Wersten | Mein Lesekreis

Projekt Zwei

Die geheimste Erinnerung der Menschen

(Original: La plus secrète mémoire des hommes)

Mohamed Mbougar Sarr

Für seinen dritten Roman "Die geheimste Erinnerung der Menschen" hat Mohamed Mbougar Sarr 2021 den Prix Goncourt bekommen. Ein Jahr später erschien das Buch auf Deutsch.

Über die lebensverändernde Wirkung von Literatur

Mohamed Mbougar Sarr erzählt virtuos von der Suche nach einem verschollenen Autor: Als dem jungen Senegalesen Diégane ein verloren geglaubtes Kultbuch in die Hände fällt, stürzt er sich auf die Spur des rätselhaften Verfassers T.C. Elimane. Dieser wurde in den dreißiger Jahren als „schwarzer Rimbaud“ gefeiert, nach rassistischen Anfeindungen und einem Skandal tauchte er jedoch unter. Wer war er? Voll Suchtpotenzial und unnachahmlicher Ironie erzählt Sarr von einer labyrinthischen Reise, die drei Kontinente umspannt. Ein meisterhafter Bildungsroman, eine radikal aktuelle Auseinandersetzung mit dem komplexen Erbe des Kolonialismus und eine soghafte Kriminalgeschichte.

"Wir dachten keinesfalls, dass Bücher die Welt retten könnten; hingegen hielten wir sie für das einzige Mittel, um nicht vor ihr davonzulaufen."

Buchzitat "Die geheimste Erinnerung der Menschen" 


Mohamed Mbougar Sarr (* 20. Juni 1990 in Dakar) ist ein senegalesischer Schriftsteller. Er ist der älteste von sieben Brüdern. 

Literatur in Wersten | Mein Lesekreis

Projekt Drei

Tanz der Teufel

(Original: "La Danse du Vilain")

Fiston Mwanza Mujila

Bittere Hymne auf den Untergang Zaires

Im Grenzgebiet zwischen Angola und dem Kongo, in den Minen von Lunda Norte und im Zentrum von Lubumbashi tanzen Frauen ohne Alter, Diamantensucher, Gauner und Agenten aus aller Welt den Tanz der Teufel. Die sagenhafte Tshiamuena, die Madonna der Minen, herrscht über Erfolg und Niedergang, gebietet über böse Zungen und mächtiges Schweigen. Geld wird geschürft und verspielt, man schwitzt, jubelt, stolziert, fliegt und fällt im selben Atemzug.

In einem Strudel aus Szenen, Formen und Farben lässt Fiston Mwanza Mujila die Worte tanzen, getragen von Rumba und Kizomba, zerrissen von den schrillen Missklängen der Gegenwart.

»Mujila schreibt frech, beißend und unerhört musikalisch.«

Angela Schader, Neue Zürcher Zeitung 


Fiston Mwanza Mujila wurde 1981 in Lubumbashi, Demokratische Republik Kongo, geboren. Er schreibt Lyrik, Prosa und Theaterstücke und unterrichtet afrikanische Literatur an der Universität Graz. Mujila erhielt u. a. den Internationalen Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt, den Peter-Rosegger-Literaturpreis und den Prix Les Afriques 

(hier abgebildetes Cover: Taschenbuch Ausgabe)

Inhalte von Youtube werden aufgrund deiner aktuellen Cookie-Einstellungen nicht angezeigt. Klicke auf “Zustimmen & anzeigen”, um zuzustimmen, dass die erforderlichen Daten an Youtube weitergeleitet werden, und den Inhalt anzusehen. Mehr dazu erfährst du in unserer Datenschutz. Du kannst deine Zustimmung jederzeit widerrufen. Gehe dazu einfach in deine eigenen Cookie-Einstellungen.

Zustimmen & anzeigen

Fiston Mwanza Mujila liest aus "Tanz der Teufel"

Hinter jedem Unternehmen steht eine Geschichte. Unsere war bisher alles andere als gewöhnlich. Wir sind mehr als einmal gestolpert und hingefallen, besonders in der Anfangszeit. Was uns als Team zusammengeschweißt und immer wieder dazu gebracht hat, aufzustehen, war der Wunsch, unsere Fähigkeiten zu perfektionieren und uns als Experten auf unserem Gebiet einen Namen zu machen. Selbst als gewachsenes und solides Unternehmen bilden wir uns immer noch weiter und lernen mit jeder neuen Herausforderung etwas Neues dazu. Und was es nicht alles noch zu lernen gibt!

Literatur in Wersten | Mein Lesekreis

Projekt Vier

Wie schön wir waren

(Original: „How Beautiful We Were“)

Imbolo Mbue

Nach ihrem gefeierten Debüt »Das geträumte Land«, für das sie den PEN/Faulkner-Preis erhalten hat, beweist Imbolo Mbue mit »Wie schön wir waren« erneut ihre erzählerische Brillanz

US-Ölkonzern und nationaler Diktator beuten ein Dorf gemeinsam aus


Die Bewohner*innen Kosawas leben in Angst, denn ein amerikanischer Ölkonzern droht das kleine afrikanische Dorf auszulöschen. Öllecks haben das Ackerland unfruchtbar gemacht; Kinder sterben, weil das Trinkwasser vergiftet ist. Den Menschen aus Kosawa werden Versprechungen über Aufräumarbeiten und finanzielle Reparationen gemacht, die nie eingehalten werden, aber die korrupte Regierung bedient nur ihre eigenen Interessen. Die Dorfbewohner*innen beschließen, sich zu wehren. Ihr Kampf soll Jahrzehnte andauern. Erzählt aus der Perspektive einer Generation von Kindern, allen voran Thula, die zu einer Revolutionärin heranwächst. 

 Imbolo Mbue ist in Kamerun, aufgewachsen. Sie hat an der Rutgers University und der Columbia University studiert. Imbolo Mbue lebt in New York. 

Projekt Fünf

Die ungeduldigen Frauen

(Original: "Les impatietes")

Djaïli Amadou Amal 

Zwangsverheiratung, Vergewaltigung, Schläge und nicht der kleinste Funken Hoffnung auf ein Ende der Gewalt - das ist der Alltag von Hindou, Ramla und Safira. Djaïli Amadou Amals Roman "Die ungeduldigen Frauen" basiert auf wahren Begebenheiten und erzählt die tragische Geschichte dreier muslimischer Frauen aus Kamerun.

Drei junge Frauen, drei Geschichten, drei miteinander verbundene Schicksale. Dieser Roman schildert das Leben von Ramla, Safira und Hindou, die im Norden Kameruns als muslimische Fulbe leben. Ramla wird als Zweitfrau mit Safiras viel älterem, polygamem Mann zwangsverheiratet, während ihre Schwester Hindou gezwungen wird, ihren Cousin zu heiraten. »Munyal! Geduld!«, ist der einzige Rat, den sie von ihrem Umfeld erhalten. Doch sie sind ungeduldig und beginnen, sich gegen Konventionen und Gewalt zu wehren.

Djaïli Amadou Amal (* 1975 in Maroua, Diamaré). Kamerunische Schriftstellerin und Menschenrechtsaktivistin. In ihren in französischer Sprache verfassten semi-autobiografischen Romanen greift sie Themen wie Zwangsehe, Vielehe, häusliche Gewalt und Frauenrechte in der Sahelzone auf, berichtet aber auch über die Besonderheiten und die Schönheit der Fulani-Kultur, der sie angehört. Außerdem gründete sie den gemeinnützigen Verein Femmes du Sahel, der sich für die Bildung und die Rechte von Frauen einsetzt.

Projekt  Sechs

Die Farben des Nachtfalters

(Original: "The book of memory")

Petina Gappah

Eine junge Frau schreibt um ihr Leben – vor dem Hintergrund der schillernden Geschichte Simbabwes erzählt Petina Gappah in ihrem hoch gelobten Debütroman vom Schicksal einer Außenseiterin
und davon, wie sehr die Erinnerung den Menschen trügen kann.
Sie heißt Memory, sitzt in der Todeszelle in Simbabwes berüchtigtem Gefängnis Chikurubi und schreibt für eine amerikanische Reporterin die Geschichte ihres Lebens auf. 


Memory ist eine weiße Schwarze, eine Albino, die bis zu ihrem 9. Lebensjahr in einer Township aufwuchs. Dann, so glaubt sie, wurde sie von ihren Eltern an den reichen weißen Großgrundbesitzer Lloyd Hendricks verkauft. Er kümmerte sich liebevoll um sie und ermöglichte ihr eine erstklassige internationale Ausbildung. Jetzt ist er tot und Memory des Mordes an ihm angeklagt. Wer war Lloyd Hendricks wirklich? Kann Memory ihren Erinnerungen trauen? Petina Gappah erzählt diesen faszinierenden, vor dem Hintergrund der Geschichte Simbabwes spielenden Roman fesselnd wie einen Krimi und verleiht ihrer Heldin eine unvergessliche literarische Stimme.

Petina Gappah, 1971 in Sambia, im ehemaligen Rhodesien, geboren und in Harare, Simbabwe, aufgewachsen, studierte Jura in Cambridge und Graz und arbeitete über zehn Jahre als Anwältin für internationales Handelsrecht bei der Welthandelsorganisation in Genf. Danach war sie für Simbabwes Regierung und andere Länder als internationale Handelsberaterin tätig. 2009 wurde sie für ihren Erzählband ›An Elegy for Easterly‹ mit dem Guardian First Book Award ausgezeichnet. 2015 folgte ihr Romandebüt ›Die Farben des Nachtfalters‹, 2016 die Erzählungen ›Die Schuldigen von Rotten Row‹. Ihr aktueller Roman ›Aus der Dunkelheit strahlendes Licht‹ entstand während ihrer Zeit im renommierten Künstlerprogramm des DAAD in Berlin. Gappa pendelt derzeit zwischen Harare, Edinburgh und Genf.

>>Wer ist denn kein Sklave<<

Hermann Melville (Moby Dick) | * 1. August 1819 in New York City, New York; † 28. September 1891 ebenda.