„Er schlug mich so heftig, dass ich dachte, ich sterbe.“ 

Lesereihe Zwei

Über Menschen und ihre Machtlosigkeit, ohnmächtig der psychischen und physischen Gewalt ausgeliefert zu sein. 

"Ich liebe ihn, obwohl er mich schlägt."

Jede vierte Frau in Deutschland hat schon körperliche, sexuelle oder psychische Gewalt in der Partnerschaft erlebt. Doch obwohl das Gewaltschutzgesetz seit mehr als zehn Jahren die Opfer häuslicher Gewalt deutlich besser schützt als zuvor, werden ihre Erfahrungen immer noch tabuisiert, verharmlost und schnell entschuldigt.

Auch von den betroffenen Frauen selbst, die aus allen gesellschaftlichen Schichten kommen. Dabei ist es nicht nur die Angst vor dem Täter, die die Opfer schweigen lässt. 

Es ist auch die Scham, sich nicht vor der körperlichen und psychischen Attacken des Partners schützen zu können und den Kindern ein gewaltgeprägtes Familienleben zuzumuten. 


Stattdessen versuchen die Frauen, die erlittenen Demütigungen, Misshandlungen und sogar lebensgefährlichen Verletzungen zu entschuldigen. Sie selbst hätten die Bestrafungen durch eigene Fehler oder Unzulänglichkeiten provoziert, meinen viele Opfer. Sogar gutausgebildete, ökonomisch unabhängige Frauen versuchen oft, die immer wieder neu erlebten Gewalterfahrungen zu vertuschen, weil sie nicht wahrhaben wollen, wie wehrlos und abhängig sie sind. 

Programm Lesereihe Zwei 

Über Menschen und ihre Machtlosigkeit, ohnmächtig der psychischen und physischen Gewalt ausgeliefert zu sein.

Sechs mächtige Romane aus Österreich, Südkorea (2), England, Belgien und Japan. 

Literatur in Wersten | Mein Lesekreis

Blauschmuck | Katharina Winkler 


Vom Leiden einer jungen Kurdin. Der Blauschmuck ist ein Geschenk der Männer. Sie verteilen ihn großzügig. Nahezu jede Frau in dem kurdischen Tal in der Türkei, in dem das Mädchen Filiz aufwächst, trägt ihn; einige um den Hals wie ein Medaillon, andere Frauen um die Fesseln oder das Handgelenk. Das Blau gibt es in allen Schattierungen – von sehr hell bis fast schwarz. Der Farbton ist abhängig davon, mit welchem Werkzeug die Männer auf ihre Frauen einschlagen – ob mit Holzlatten oder Eisenstangen. 

Literatur in Wersten | Mein Lesekreis

Die Vegetarierin | Han Kang


 Wie viel Gewalt erleidet eine Frau, die ein gewaltfreies Leben führen will? 
Eine junge Frau, Yong-Hye, beschließt vom einen auf den anderen Tag, kein Fleisch mehr zu essen. Das ist der Ausgangspunkt. 

Ein Roman, der an seiner Oberfläche von einer surrealen Sehnsucht erzählt, darunter die Abgründe einer patriarchalen Gesellschaft sondiert.
Ein Plädoyer für das Recht auf Eigensinn, eine Ermutigung, zu träumen und zu rebellieren. 

Literatur in Wersten | Mein Lesekreis

 Kim Jiyoung, geboren 1982 |  Cho Nam-Joo 

Die exemplarische Geschichte einer jungen Frau aus Seoul, die mit Anfang dreißig psychisch erkrankt. Schon als Kind lernt sie zu akzeptieren, dass ihr kleiner Bruder die besten Fleischbällchen und ein eigenes Zimmer bekommt, während sie sich alles mit der älteren Schwester teilen muss. Als fleißige Schülerin toleriert Jiyoung, dass die Mädchen ihre Referate immer erst nach den Jungen halten und dass sie auch keine Klassensprecherinnen werden dürfen. Sie erduldet, in der vollen U-Bahn von Männern betatscht zu werden. 

Literatur in Wersten | Mein Lesekreis

Die Farbe von Milch | Nell Leyshon


Mary ist harte Arbeit gewöhnt. Sie kennt es nicht anders, denn ihr Leben auf dem Bauernhof der Eltern verläuft karg und entbehrungsreich. Doch dann ändert sich alles. Als sie fünfzehn wird, zieht Mary in den Haushalt des örtlichen Dorfpfarrers, um dessen Ehefrau zu pflegen. Bei ihr erfährt sie erstmals Wohlwollen und Anteilnahme. Dann nimmt ihr Schicksal eine dramatische Wendung, als die Pfarrersfrau stirbt und sie plötzlich mit dem Hausherrn alleine zurückbleibt. 

Literatur in Wersten | Mein Lesekreis

Mit Staunen und Zittern | Amélie Nothomb

Aufzeichnungen einer Toilettenfrau. Ein ironisches Porträt der japanischen Gesellschaft. Auf eigenen Erlebnissen beruht dieser Roman, in der die Belgierin Amélie sich verpflichtet, für ein Jahr in einer japanischen Firma zu arbeiten. Sie erlebt dort die negativen Seiten japanischer Unternehmenskultur: starke Hierarchien, unsinnige Befehlsstrukturen und Demütigungen. Obwohl Amélie Nothomb selbst in Japan geboren ist und ihre Kindheit dort verbracht hat, sind ihr viele der japanischen Bräuche und Gewohnheiten fremd geblieben. 


Literatur in Wersten | Mein Lesekreis

Das Seidenraupenzimmer | Sayaka Murata 

Missbrauch. Verlorenheit. Widerstand. Natsuki ist elf Jahre, lebt in einer tristen Neubausiedlung in Japan, wird von der hysterischen Mutter beschimpft und in der Schule sexuell missbraucht. Aber Natsuki glaubt ein "Magical Girl" zu sein, eine Vorstellung, die ihr die Kraft gibt, sich von der Gesellschaft zu befreien: radikal bis zum Äußersten. Der Roman dreht sich im Kern um "Weibliche Selbstbestimmung" und die Verästelungen des patriarchalen Gesellschaftssystems Japans.
 Originaltitel: Chikyu Seijin 

"Jede Rohheit hat ihren Ursprung in einer Schwäche."

Lucius Anneus Seneca | Römischer Philosoph, Dramatiker, Naturforscher, Politiker und als Stoiker einer der meistgelesenen Schriftsteller seiner Zeit. Geboren: 5 v. Chr., verstorben: 65 n. Chr.