Kotau*

Einmal jährlich wird der Werstener Literaturkreis sich im Rahmen eines Exkurses mit dem Nobelpreis für Literatur beschäftigen. Wir starten mit der Nobelpreisträgerin des Jahres 2022 Annie Ernaux.. Mit ihrem Gesamtwerk im Allgemeinen und mit ihren Büchern "Erinnerung eines Mädchens" oder "Die Jahre" im Speziellen.

* Ehrerbietige Verbeugung im Kaiserreich China, indem der Besucher sich auf den Boden wirft und mehrmals mit der Stirn den Boden berührt, besonders auch als Demutsbezeugung vor dem chinesischen Kaiser. Nach der  Xinhai Revolution von 1912 und der Ausrufung der Republik China wurde der Kotau offiziell abgeschafft. 


Literatur in Wersten
Literatur in Wersten

Annie Ernaux ist die Nobelpreisträgerin für Literatur des Jahres 2022

.Foto: © Heike Steinweg | Suhrkamp Verlag

Annie Ernaux, geboren 1940, bezeichnet sich als »Ethnologin ihrer selbst«. Sie ist eine der bedeutendsten französischsprachigen Schriftstellerinnen unserer Zeit, ihre zwanzig Romane sind von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeiert worden. 

Das Nobelpreiskomittee der Schwedischen Akademie zeichnet Annie Ernaux aus »für ihren Mut und den klinischen Scharfblick, mit denen sie die Wurzeln, Entfremdungen und kollektiven Beschränkungen der persönlichen Erinnerung bloßlegt« 

>>Erinnerung eines Mädchens<< oder >>Die Jahre<<

. Wir stimmen darüber ab, mit welchem Roman wir uns beschäftigen werden.

Erinnerung eines Mädchens. Ein literarisches #MeToo:

 In „Erinnerung eines Mädchens“ leuchtet die französische Schriftstellerin Annie Ernaux die Umstände ihrer Entjungferung 1958 in schonungsloser Offenheit aus. Ernaux erforscht nicht nur die sexuelle Scham, die das Erlebnis flankiert, sondern findet eigene Wege, damit umzugehen.

Mit schonungsloser Genauigkeit erzählt Annie Ernaux von ihrer ersten sexuellen Begegnung – von Macht, Ohnmacht und Unterwerfung. Von einer Wunde, die niemals ausgeheilt ist. Und vom teuer bezahlten Erkennen des eigenen Werts. 

Erinnerung eines Mädchens

Sommer 1958: Annie Duchesne wird 18 Jahre alt. Sie arbeitet als Betreuerin in einer Ferienkolonie. Sie findet in eine Clique, zusammen feiern sie Feten, genießen ihre Jugend. Und Annie ist in H. verliebt, mit ihm hat sie ihr erstes Mal. Eine Nacht, die einen anhaltenden Schock bedeutet. Auch weil H. sie fortan ignoriert, sie weiß nicht, wohin mit sich und lässt sich auf andere ein. Schnell ist sie verfemt. Was folgt, sind Ausgrenzung, der Hohn der anderen, ihre eigene Scham.
Und Schweigen. Denn über 55 Jahre braucht Annie Ernaux, um sich dieser »Erinnerung der Scham« stellen zu können – anhand von Fotografien und Briefen schreibt sie von einer Zeit, die sich in ihren Körper gebrannt hat. Die ihre Moral, ihre Sexualität, ihr ganzes langes Leben geprägt und bestimmt hat.


 Die Jahre. Eine verlockende Einladung, das eigene Leben zu hinterfragen.

 Die Beschreibung ihres Werdegangs als Aufsteigerin aus dem ärmlichen Provinzmilieu der Normandie weitet Annie Ernaux zu einer neuartigen Form der Autobiografie aus. Ihre Erfahrungen verzahnt sie in „Die Jahre“ mit dem kollektiven Gedächtnis und der Summe der Prägungen ihrer Generation. 

 Annie Ernaux gelingt eine Bravourleistung. Ihre persönlichen Erinnerungen verwandelt sie in eine gesellschaftliche Erzählung.

"Etwas von der Zeit retten, in der man nie wieder sein wird" Das war das Ziel von Annie Ernaux' Projekt "Die Jahre".

Die Jahre

 Kindheit in der Nachkriegszeit, Algerienkrise, die Karriere an der Universität, das Schreiben, eine prekäre Ehe, die Mutterschaft, de Gaulle, das Jahr 1968, Krankheiten und Verluste, die sogenannte Emanzipation der Frau, Frankreich unter Mitterrand, die Folgen der Globalisierung, die uneingelösten Verheißungen der Nullerjahre, das eigene Altern. Anhand von Fotografien, Erinnerungen und Aufzeichnungen, von Wörtern, Melodien und Gegenständen vergegenwärtigt Annie Ernaux die Jahre, die vergangen sind. Und dabei schreibt sie ihr Leben – unser Leben, das Leben – in eine völlig neuartige Erzählform ein. 

  • Deutscher Hörbuchpreis 2020
  • Hörbuch des Jahres 2019
  • Man Booker International Prize 2019 (Shortlist)
  • ORF-Bestenliste
  • Platz 1 der SWR-Bestenliste
  • SPIEGEL-Bestseller 

Der Nobelpreis für Literatur ist die weltweit wichtigste internationale Auszeichnung für Literatur. Alfred Nobel – der schwedische Wissenschaftler, Ingenieur und Erfinder – vermachte sein Vermögen einer Stiftung für die Vergabe von Preisen für Physik, Chemie, Physiologie/Medizin, Frieden und Literatur.

Die Nobelpreise werden seit 1901 verliehen und der erste Preisträger für Literatur war der französische Dichter und Essayist Sully Prudhomme. Über den Preisträger entscheidet ein Komitee, das sich aus Mitgliedern der 1786 gegründeten Schwedischen Akademie zusammensetzt. Die Schwedische Akademie besteht aus 18 bedeutenden Persönlichkeiten wie Schriftstellern, Wissenschaftlern und Historikern, die diese Funktion auf Lebenszeit innehaben. Der Preis wird für das Gesamtwerk eines Schriftstellers verliehen, obwohl gelegentlich auch einzelne wichtige Werke gewürdigt wurden. 

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Die Schriftstellerin Annie Ernaux wuchs in der Normandie auf. Ihre Kindheit verbrachte sie in Yvetot, einem ruhigen Städtchen unweit der Küste, ihre Jugend in Rouen, der Hauptstadt der Region. Hier fand die Tochter bescheidener Ladenbesitzer die Inspirationsquelle für Werke wie Der Platz und Die Scham. In ihren Romanen durchforscht sie ihre Erinnerung und erschafft einen Erzählstil, der zugleich sehr intim und doch von tiefem sozialem Engagement geprägt ist.

>>Die Frau hat jahrhundertelang als Lupe gedient, welche die magische und köstliche Fähigkeit besaß, den Mann doppelt so groß zu zeigen, wie er von Natur aus ist. <<

Virginia Woolf (* 25. Januar 1882 in London; † 28. März 1941 bei Rodmell nahe Lewes, Sussex. Britische Schriftstellerin und Verlegerin. Sie entstammte einer wohlhabenden Intellektuellen-Familie, die zahlreiche Kontakte zu Literaten hatte. Als Jugendliche erlebte sie die viktorianischen Beschränkungen für Mädchen und Frauen. Sie war früh als Literaturkritikerin und Essayistin tätig; ihre Karriere als Romanautorin begann im Jahr 1915 mit dem Roman The Voyage Out (Die Fahrt hinaus). Ende der 1920er Jahre war sie eine erfolgreiche und international bekannte Schriftstellerin. Woolf wurde in den 1970er Jahren wiederentdeckt, als ihr Essay A Room of One’s Own (Ein Zimmer für sich allein) aus dem Jahr 1929 zu einem der meistzitierten Texte der neuen Frauenbewegung wurde. Mit ihrem avantgardistischen Werk zählt sie neben Gertrude Stein zu den bedeutendsten Autorinnen der klassischen Moderne.