Literatur in Wersten

Ukrainische Literatur

Der Krieg verändert auch das Lesen

In den Büchern von Andrej Kurkow, Natascha Wodin und Serhij Zhadan durchlebt der Leser die Hoffnungen und Träume eines Volkes, das sich seine Freiheit erkämpft hat.  Eine ganze Welt voller Glück, Zuversicht, Freude und Lachen , die nach Putins Willen ausgelöscht werden soll.

 „Der beste Weg, die Seele eines anderen Landes kennenzulernen, ist seine Literatur zu lesen.“

Amos Oz. Israelischer Schriftsteller, Journalist und Mitbegründer der politischen Bewegung "Peace Now".


Vier Romane. Vier Handlungsorte. Vier Kriegsschauplätze. 

Donezk | Charkiw | Lemberg | Kiew

Über die Leiden der Zivilbevölkerung in der Ostukraine. Über den Alltag kleiner Leute, die zwischen die Frontlinie geraten sind.

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Graue Bienen | Andrej Kurkow

Kriegsalltag

Der Bienenzüchter Sergej lebt im Donbass, wo ukrainische Kämpfer und prorussische Separatisten Tag für Tag aufeinander schießen. Er überlebt nach dem Motto: Nichts hören, nichts sehen - sich raushalten. Ihn interessiert nur das Wohlergehen seiner Bienen. Denn während der Mensch für Zerstörung sorgt, herrscht bei ihnen eine weise Ordnung und wunderbare Produktivität. Eines Frühlings bricht er auf: Er will die Bienen in eine Gegend bringen, wo sie wieder in Ruhe Nektar sammeln können.

Mehr zum Inhalt:
Ein Dorf in der Nähe von Donezk, im Frontgebiet zwischen der ukrainischen Armee und den prorussischen Separatisten. Seit drei Jahren herrscht Krieg, die Einwohner haben das Dorf verlassen, nur der Bienenzüchter Sergej ist geblieben. Denn wenn alle gehen, wird auch keiner mehr zurückkehren. Außer ihm ist nur sein »Kindheitsfeind« Paschka geblieben, die Not schweißt sie zusammen. Im dritten Frühling beschließt Sergej, seine Bienen aus der Kriegszone zu bringen. Sie sollen in Ruhe ausschwärmen, um ihren Nektar zu sammeln. Auf seiner Reise knüpft Sergej Freundschaften, stößt aber auch auf Misstrauen und Missgunst. Selbst auf der paradiesischen Krim fühlt er sich nicht wirklich willkommen. Und als sich sogar seine Bienen zu verändern scheinen, beschließt er, in sein Dorf zurückzukehren.

Andrej Kurkow lebt in Kiew und er ist trotz seiner Zugehörigkeit zur russischsprachigen Bevölkerung, ein beharrlicher Kritiker von Wladimir Putin und dessen aggressiver Ukraine-Politik. In seinem Roman "Graue Bienen" widmet sich der Autor dem vom Krieg geprägten Alltag der Menschen im Donbass: 

Im ostukrainischen Charkiw lässt Serhij Zhada seinen Roman „Mesopotamien“ spielen. Es herrscht Krieg – und niemand hat die Absicht, sich zu ergeben.

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Mesopotamien | Serhij Zhadan

Leben und Sterben in Charkiw 


Serhij Zhadan, 1974 im Gebiet Luhansk/Ostukraine geboren, studierte Germanistik, promovierte über den ukrainischen Futurismus und gehört seit 1991 zu den prägenden Figuren der jungen Szene in Charkiw. Er debütierte als 17-Jähriger und publizierte zwölf Gedichtbände und sieben Prosawerke. Für Die Erfindung des Jazz im Donbass wurde er mit dem Jan-Michalski-Literaturpreis und mit dem Brücke-Berlin-Preis 2014 ausgezeichnet (zusammen mit Juri Durkot und Sabine Stöhr). Die BBC kürte das Werk zum »Buch des Jahrzehnts«. Zhadan lebt in Charkiw.

Preis der Leipziger Buchmesse 2018
Schweizer Literaturpreis der Jan-Michalski-Stiftung 2014
Brücke Berlin-Preis 2014
Samuel-Bogumil-Linde-Literaturpreis 2002 


In "Mesopotamien" porträtiert Serhij Zhadan ein modernes Babylon, seine Heimatstadt Charkiw, indem er von Menschen erzählt, die im 'Zweistromland' leben: zwischen dem ukrainischen Dnjepr im Westen und dem russischen Don im Osten. Rebellen der Existenz, kämpfen Zhadans Helden, Marat, Romeo, Sonja, Ivan, Bob und wie sie alle heißen, gegen die drohende Verfinsterung ihres Lebens. Vor dem Hintergrund des Krieges, der bereits begonnen hat, ringen sie um den Sinn ihres Lebens, um ihre Liebe, um ein mutiges, freies Verhältnis zueinander, dem auch der Tod nichts anhaben soll. 

 

Der Ukrainer Andrej Kurkow überschlägt sich in seinem Roman „Jimi Hendrix live in Lemberg“ vor Kuriositäten 

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Jimi Hendrix live in Lemberg | Andrej Kurkov

Eine Wahnsinnsgeschichte

Auch hinter dem Eisernen Vorhang hatte Jimi Hendrix Fans, und was für welche. Doch auch heute gehen in Lemberg, der Vielvölkerstadt im Westen der Ukraine, mehr als merkwürdige Dinge vor sich. Verantwortlich dafür sind die Macht der Liebe, die uferlose Phantasie eines Schriftstellers und die unsterbliche Musik von Jimi Hendrix. Ein Feuerwerk von unglaublichen und skurrilen Einfällen.

Kurkow lässt in seinem Buch eine Gruppe Alt-Hippies auf einem Friedhof in der westukrainischen Stadt Lwiw auftreten, um Jimi Hendrix zu gedenken, während ein Chauffeur einen ausländischen Touristen bei seinr Fahrt von seinen Nierensteinen befreit. 

 Eine Frau sucht eine Putzhilfe und findet eine Ukrainerin, wie ihre eigene Mutter 

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Nastjas Tränen | Natascha Wodin

In der Ukraine eine Ingenieurin, in Berlin eine Illegale 


Als Natascha Wodin 1992 nach Berlin kommt, sucht sie jemanden, der ihr beim Putzen hilft. Sie gibt eine Annonce auf, und am Ende fällt die Wahl auf eine Frau aus der Ukraine, dem Herkunftsland ihrer Mutter, die im Zweiten Weltkrieg als Zwangsarbeiterin nach Deutschland verschleppt wurde. Nastja, eine Tiefbauingenieurin, konnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im wirtschaftlichen Chaos ihrer Heimat nicht mehr überleben − ihr letztes Gehalt bekam sie in Form eines Säckchens Reis ausgezahlt. Da sie ihren kleinen Enkelsohn und sich selbst nicht länger ernähren kann, steigt sie, auf etwas Einkommen hoffend, in einen Zug von Kiew nach Berlin. Dort gelingt es ihr, mehrere Putzjobs zu finden, nach getaner Arbeit schläft sie auf dem Sofa ihrer Schwester. Zu spät bemerkt sie, dass ihr Touristenvisum abgelaufen ist. Unversehens schlittert sie in das Leben einer Illegalen, wird Teil der riesigen Dunkelziffer an Untergetauchten im Dickicht der neuen, noch wildwüchsigen deutschen Hauptstadt. Für Natascha Wodin ist es, als würde sie von ihrem Schicksal erneut eingeholt. Im Heimweh dieser Ukrainerin, mit der sie mehr und mehr eine Freundschaft verbindet, erkennt sie das Heimweh ihrer Mutter wieder, die daran früh zerbrochen ist. Jetzt, Jahre später, zeichnet sie das Porträt von Nastja, einer kämpferischen Frau.

Natascha Wodin, 1945 als Kind sowjetischer Zwangsarbeiter in Fürth/Bayern geboren, wuchs erst in deutschen DP-Lagern, dann, nach dem frühen Tod der Mutter, in einem katholischen Mädchenheim auf. Auf ihr Romandebüt "Die gläserne Stadt", das 1983 erschien, folgten etliche Veröffentlichungen, darunter die Romane "Nachtgeschwister" und "Irgendwo in diesem Dunkel". Ihr Werk wurde unter anderem mit dem Hermann-Hesse-Preis, dem Brüder-Grimm-Preis und dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet, für "Sie kam aus Mariupol" bekam sie den Alfred-Döblin-Preis, den Preis der Leipziger Buchmesse und den Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil 2019 verliehen. Natascha Wodin lebt in Berlin und Mecklenburg. 

"Man erzählt euch, dass man die Ukrainer befreien würde, aber die Menschen in der Ukraine sind frei.."

"You are told that this flame will liberate the people of Ukraine, but the Ukrainian people are free."

Wolodymyr Selenskyj, Februar 2022