Dienstag, 4. Juni 2024 

Internat | Serhij Zhadan

 Kriegsreportage und politische Essayistik. Eine Blaupause des Krieges in der Ukraine. 

Ein pummeliger Stubenhocker als Hauptfigur | Ein ehemaliger träger Homo sovieticus


Der Mittdreißiger Pascha ist stark kurzsichtig, außerdem kann er seine rechte Hand nur eingeschränkt bewegen – das sind denkbar ungünstige Voraussetzungen für einen Zivilisten, der sich in einem plötzlich ausbrechenden Krieg bewähren muss.

Literatur in Wersten

Anlässlich des brutalen Angriffskriegs Putins in der Ukraine beschäftigen wir uns mit dem bereits 2018 erschienenen Roman "Internat" von Serhij Zhadan. In seinem Werk schickt der  Träger des Friedenspreises  des Deutschen Buchhandels 2022 einen jungen Lehrer auf eine Höllenwanderung durch das Konfliktgebiet. 

Literatur in Wersten

Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verleiht der Börsenverein im Jahr 2022 Serhij Zhadan. Wir ehren den ukrainischen Schriftsteller und Musiker für sein herausragendes künstlerisches Werk sowie für seine humanitäre Haltung, mit der er sich den Menschen im Krieg zuwendet und ihnen unter Einsatz seines Lebens hilft.
In seinen Romanen, Essays, Gedichten und Songtexten führt uns Serhij Zhadan in eine Welt, die große Umbrüche erfahren hat und zugleich von der Tradition lebt. Seine Texte erzählen, wie Krieg und Zerstörung in diese Welt einziehen und die Menschen erschüttern. Dabei findet der Schriftsteller eine eigene Sprache, die uns eindringlich und differenziert vor Augen führt, was viele lange nicht sehen wollten.
Nachdenklich und zuhörend, in poetischem und radikalem Ton erkundet Serhij Zhadan, wie die Menschen in der Ukraine trotz aller Gewalt versuchen, ein unabhängiges, von Frieden und Freiheit bestimmtes Leben zu führen. 

Literatur in Wersten

Serhij Zhadan schildert, wie sich die vertraute Umgebung in ein unheimliches Territorium verwandelt. Er erzählt von trotzigen Menschen, die der Angst und Zerstörung ihre Selbstbehauptung und ihr Verantwortungsgefühl entgegensetzen. Seine Auseinandersetzung mit dem Krieg im Donbass findet mit seinem Roman "Internat" ihren vorläufigen Höhepunkt. 

Internat | Serhij Zhadan

Ein junger Lehrer will seinen 13-jährigen Neffen aus dem Internat am anderen Ende der Stadt nach Hause holen. Die Schule, in der seine berufstätige Schwester ihren Sohn "geparkt" hat, ist unter Beschuss geraten und bietet keine Sicherheit mehr. Durch den Ort zu kommen, in dem das zivile Leben zusammengebrochen ist, dauert einen ganzen Tag. Der Heimweg wird zur Prüfung. Die beiden geraten in die unmittelbare Nähe der Kampfhandlungen, ohne mehr sehen zu können als den milchigen Nebel, in dem gelbe Feuer blitzen. Maschinengewehre rattern, Minen explodieren, öfter als am Tag zuvor. Paramilitärische Trupps, herrenlose Hunde tauchen in den Trümmern auf, apathische Menschen stolpern orientierungslos durch eine apokalyptische urbane Landschaft.

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Literatur in Wersten

Biographie

 Foto © Meridian Czernowitz / Suhrkamp Verlag

Serhij Zhadan, geboren am 23. August 1974 in Starobilsk im Gebiet Luhansk der (damaligen Sowjetrepublik) Ukraine, ist Schriftsteller, Übersetzer und Musiker. Er zählt zu den wichtigsten, innovativsten und bekanntesten Stimmen der ukrainischen Gegenwartsliteratur. Sein vielgestaltiges literarisches Werk setzt sich aus Romanen, Gedichten, Erzählungen, Reportagen und Essays zusammen und widmet sich insbesondere der Zeit nach dem Zerfall der Sowjetunion sowie dem seit 2014 in der Ukraine herrschenden Krieg. Schauplätze seiner Texte sind in erster Linie die Stadt Charkiw und die Ostukraine, für die er sich auch sozial und kulturell engagiert und angesichts des aktuellen Kriegs humanitäre Hilfe leistet. Obwohl in einer überwiegend russischsprachigen Gegend aufgewachsen, schreibt Zhadan auf Ukrainisch. Seine Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und haben internationale Preise erhalten. 

In Charkiw, der zweitgrößten Stadt der Ukraine, studiert Zhadan Literaturwissenschaft, Ukrainistik sowie Germanistik und promoviert 1996 mit einer Arbeit zum ukrainischen Futurismus. Er lehrt zunächst als Dozent an der Universität und beginnt dann als freischaffender Schriftsteller zu arbeiten. Schon Anfang der 1990er Jahre veröffentlicht er erste Gedichte, organisiert Literatur- und Musikfestivals und prägt die junge Kulturszene der Stadt. 

Literarische Annäherung an einen Krieg, der seit 2014 fortwährt.

Allen Interessierten, die eine beeindruckende und zugleich bedrückende belletristische Darstellung des Donbass-Krieges lesen wollen, sei "Internat" ans Herz gelegt. 

STIMMEN:

 >>Zhadans Sprachfuror und der pulsierende Rhythmus seiner Sätze peitschen einen regelrecht durch das Inferno.<< Andreas Breitenstein, Neue Zürcher Zeitung

>>Internat ist ein kleines Meisterwerk, kongenial übersetzt von Juri Durkot und Sabine Stöhr ... Es ist mehr als ein Roman über einen fast vergessenen Krieg in Europa. Es geht auch um das universale Thema des Menschen, der seine Heimat verliert, weil er gehen muss, gehen will oder bleibt, aber sie nicht mehr als seine Heimat erkennen kann.<<  

Dirk Kurbjuweit, DER SPIEGEL

 >>Internat verbindet auf brillante Weise Kriegsreportage und politische Essayistik<< Felix Stephan, Süddeutsche Zeitung 


 

>>Wir werden versuchen, die Ukraine zu entmilitarisieren und zu entnazifizieren<<

Wladimir Putin (23. Februar 2022)