Die LIWE Lesereihe Drei

April 2025 bis September 2025

Die Kolonien schreiben zurück. 

(Afrikanische Literatur) 

"Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns" (Franz Kafka)

Für Franz Kafka war das Lesen von Büchern von existentieller Bedeutung, so beschrieb er dies in einem Brief an Oskar Pollak, 27. Januar 1904 mit folgenden Worten:

 
" Wir brauchen aber die Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in Wälder vorstoßen würden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord, ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.”

 

Bücher berühren uns, verändern unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit und den Blick auf die Welt. Bücher können unsere Gedanken aufbrechen. 

08. April 2025 


Die Protagonistin des Romans Tambu verkörpert eine Generation von Frauen in Simbabwe, die jeden Tag um das titelgebende Überleben kämpfen müssen. In ihr Leben haben Kolonialismus und Sexismus den Gedanken eingeschrieben, sie seien weniger wert. Für Tambu gibt es kein Entrinnen aus diesem Leben, in dem Frauen weniger wert sind als Männer.

Verleugnen  von Tsitsi Dangarembga

Während des Unabhängigkeitskrieges in Simbabwe beginnt Tambu ihr zweites Jahr am Young Ladies‘ College of the Sacred Heart – einer Missionsschule, die von weißen Nonnen geführt wird und in der koloniale rassistische Strukturen tief verankert sind. Tambu ist ehrgeizig. Doch trotz ihrer überdurchschnittlichen Leistungen gelingt es ihr nicht, in die Bestenliste der Schule aufgenommen zu werden. In ihrem Bestreben um Anerkennung versucht sie schließlich bis ins Extreme, sich an ihr vorherrschend weißes Umfeld anzupassen. Dabei verleugnet sie zunehmend ihre Herkunft. 

13. Mai 2025


Ein ungleicher Kampf zwischen dem übermächtigen Westen und dem unterlegenen ausgebeuteten Afrika. 

Wie schön wir waren von Imbolo Mbue

Die Bewohner*innen Kosawas leben in Angst, denn ein amerikanischer Ölkonzern droht das kleine afrikanische Dorf auszulöschen. Öllecks haben das Ackerland unfruchtbar gemacht; Kinder sterben, weil das Trinkwasser vergiftet ist. Den Menschen aus Kosawa werden Versprechungen über Aufräumarbeiten und finanzielle Reparationen gemacht, die nie eingehalten werden, aber die korrupte Regierung bedient nur ihre eigenen Interessen. Die Dorfbewohner*innen beschließen, sich zu wehren. Ihr Kampf soll Jahrzehnte andauern. Erzählt aus der Perspektive einer Generation von Kindern, allen voran Thula, die zu einer Revolutionärin heranwächst.

Mbues zweiter Roman ist eine meisterhafte Untersuchung dessen, was passiert, wenn die Profitgier des Westens gepaart mit dem Gespenst des Kolonialismus auf die Entschlossenheit einer Gemeinschaft trifft, an ihrem angestammten Land festzuhalten – und auf die Bereitschaft einer jungen Frau, alles für die Freiheit ihrer Mitmenschen zu opfern. 

LiWe Empfehlung

17. Juni 2025

 
Eingesperrt in einem Frauengefängnis. Eingeschlossen in der Hölle. 

Die Farben des Nachtfalters von Petina Gappah (Simbabwe)

Original: The Book of Memory

Eine junge Frau schreibt um ihr Leben - vor dem Hintergrund der schillernden Geschichte Simbabwes erzählt Petina Gappah in ihrem hoch gelobten Debütroman vom Schicksal einer Außenseiterin und davon, wie sehr die Erinnerung den Menschen trügen kann. Sie heißt Memory, sitzt in der Todeszelle in Simbabwes berüchtigtem Gefängnis Chikurubi und schreibt für eine amerikanische Reporterin die Geschichte ihres Lebens auf. Memory ist eine weiße Schwarze, eine Albino-Frau, die bis zu ihrem neunten Lebensjahr in Armut aufwuchs. Dann, so glaubt sie, wurde sie von ihren Eltern an den wohlhabenden Weißen Lloyd Hendricks verkauft. Er kümmerte sich liebevoll um sie und ermöglichte ihr eine erstklassige Ausbildung. Jetzt ist Lloyd tot und Memory des Mordes angeklagt. Sie fühlt sich schuldig, aber worin besteht ihre Schuld? Wer war Lloyd Hendricks wirklich und kann Memory ihren Erinnerungen trauen? 

LiWe Empfehlung 

08. Juli 2025


Dieser Roman riecht nach Bier, Klebstoff und Schweiß

Tanz der Teufel von Fiston Mwanza Mujila

Das Mambo de la Fête, Kneipe und Nachtclub, am Stadtrand von Lubumbashi, einer Stadt im Süden von Zaire, Auf der Tanzfläche tummeln sich all jene, die dem Glück hinterherjagen: Minenarbeiter, Neureiche, Kindersoldaten, Bürgerkriegsflüchtlinge, Politiker, Geheimdienstmitarbeiter und Prostituierte. In dem Club  pulsiert das Leben, während die kongolesische Rumba aus den Lautsprechern hämmert und die Partyszene am billigen Klebstoff snifft. Es ist eine berauschte und entflammte Szenerie, in die uns der Autor Fiston Mwanza Mujila entführt.

LiWe Empfehlung 

12. August 2025


Ausgezeichnet 2021 mit dem prestigeträchtigen Prix Goncourt (ältester und bedeutendster Literaturpreis Frankreichs) und dem Internationalen Literaturpreis 2023 (Haus der Kulturen der Welt, Berlin)

Die geheimste Erinnerung der Menschen von Mohammed Mbougar Sarr

Mohamed Mbougar Sarr erzählt von der Suche nach einem verschollenen Autor: Als dem jungen Senegalesen Diégane ein verloren geglaubtes Kultbuch in die Hände fällt, stürzt er sich auf die Spur des rätselhaften Verfassers T.C. Elimane. Dieser wurde in den dreißiger Jahren als "schwarzer Rimbaud" gefeiert, nach rassistischen Anfeindungen und einem Skandal tauchte er jedoch unter. Wer war er? Sarr erzählt von einer labyrinthischen Reise, die drei Kontinente umspannt. 

Ein Bildungsroman, eine radikal aktuelle Auseinandersetzung mit dem komplexen Erbe des Kolonialismus und eine Kriminalgeschichte.

  • Die Präsenzveranstaltung hat am  09. September 2025 stattgefunden.
  • Die Online-Veranstaltung hat am 11. September 2025 stattgefunden.

»Blauer Hibiskus« ist der erste Roman der Bestsellerautorin Chimamanda Ngozi Adichie - ein Meilenstein junger Weltliteratur.

Die Originalausgabe erschien 2003 unter dem Titel "Purple Hibiscus". Die deutsche Ausgabe folgte 2005.

Mit sanfter, eindringlicher Stimme erzählt die 15-jährige Kambili von dem Jahr, in dem ihr Land im Terror versank, ihre Familie auseinanderfiel und ihre Kindheit zu Ende ging.

Das Haus von Kambilis Familie liegt inmitten von Hibiskus, Tempelbäumen und hohen Mauern. Doch die idyllische Fassade täuscht: Hinter den Mauern ist die Welt von politischen Unruhen und Gewalt geprägt. Als sich die Situation in Nigeria zuspitzt, zeigen sich tiefe Risse in Kambilis Familie, die sie zu zerreißen drohen.

Blauer Hibiskus ist ein zutiefst bewegender Coming-of-Age-Roman über das Heranwachsen in Zeiten des Umbruchs. Verzweifelt schön und ganz gegenwartsnah hat Adichie ein Meisterwerk geschaffen, das die Leser:innen tief berühren wird.

>> Gott bewahre mich vor jemand, der nur ein Büchlein gelesen hat. << 

(Thomas von Aquin, italienischer katholischer Theologe und Philosoph, 1225 – 1274)