Literatur in Wersten | Mein Lesekreis
Literatur in Wersten | Mein Lesekreis

Literatur als Akt des Widerstands

LOLITA LESEN IN TEHERAN von AZAR NAFISI

Als die iranische Literaturprofessorin Azar Nafisi den Schleier nicht länger tragen will, wird sie von der Universität Teheran verwiesen – und erfüllt sich einen Traum. Zwei Jahre lang kommen sie und sieben ihrer besten Studentinnen jeden Donnerstagmorgen heimlich zusammen, um verbotene Klassiker der westlichen Literatur zu lesen. Mit der Lektüre von Vladimir Nabokov, Jane Austen, Henry James und F. Scott Fitzgerald schaffen sie sich Freiräume in der ihnen aufgezwungenen Enge der Islamischen Republik Iran. Aus verstohlen in ihr Haus huschenden schwarz verschleierten Schatten werden junge Frauen in Jeans und bunten Kleidern. Sie öffnen sich in der Diskussion über die literarischen Werke und beginnen die eigene Realität, der gegenüber sie sich lange sprachlos und ohnmächtig fühlten, zu hinterfragen und zu verändern.

Der Roman wurde LiWe zur Rezension vom btb Verlag, München, zur Verfügung gestellt. 

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Ein Lesekreis im postrevolutionären Iran: Der israelische Regisseur Eran Riklis bringt das Memoir von Azar Nafisi auf die Leinwand. 

LOLITA LESEN IN TEHERAN

Seit Wochen kursiert der Film "Lolita lesen in Teheran" in iranischen Telegram-Kanälen. Die beiden Superstars Golshifteh Farahani und Zar Amir Ebrahimi, die beide im Exil in Frankreich leben, machen die Produktion für das iranische Publikum verlockend.

Eran Riklis (Die syrische Braut, Lemon Tree), der israelische Regisseur, wird den meisten Iranerinen und Iranen fremd sein, doch die Tatsache, dass ein Israeli einen Film über ihr Land gedreht hat, ist für viele ein Auslöser, ihn erst recht zu sehen. 

Nach dem Sturz des Schah-Regimes kehrt Azar Nafisi nach Teheran zurück. Wie viele heimgekehrte Exiliranerinnen muss auch sie bald feststellen, dass ihre Hoffnung auf einen Neubeginn vom Terror der Revolutionswächter erstickt wird. Mit diesem Blick zurück auf die Phase zwischen 1980 und 1995 adaptierte der israelische Regisseur Eran Riklis die gleichnamige Vorlage von Azar Nafisi, eine Autobiografie, die von der London Times 2009 in die »Liste der 100 besten Bücher des Jahrzehnts« aufgenommen wurde.

Der literarische Salon als Zufluchtsor


In repressiven politischen Systemen wird der private Raum oft zur letzten Bastion der Freiheit. Wenn die öffentliche Sphäre von Ideologie, Kontrolle und Zensur dominiert wird, suchen Menschen nach Wegen, ihre intellektuelle und emotionale Autonomie zu bewahren. Ein herausragendes Beispiel für diesen Prozess ist das Werk „Lolita lesen in Teheran“ der iranischen Literaturprofessorin Azar Nafisi. Dieses autobiografische Buch dokumentiert nicht nur die persönliche Geschichte der Autorin, sondern dient als eindringliches Zeugnis für die transformative Kraft der Literatur in einem Umfeld der Unterdrückung.

Nachdem Nafisi aufgrund ihrer Weigerung, den obligatorischen Schleier (Hidschāb) zu tragen, von der Universität Teheran ausgeschlossen wurde, initiierte sie ein außergewöhnliches Projekt: einen geheimen Lesekreis. Zwei Jahre lang versammelten sich sieben ihrer besten Studentinnen jeden Donnerstagmorgen in ihrem Haus, um westliche literarische Klassiker zu lesen und zu diskutieren – Werke, die vom Regime der Islamischen Republik Iran als dekadent und unmoralisch verboten waren. Dieser Akt des intellektuellen Ungehorsams schuf einen geschützten Raum, in dem die Frauen nicht nur literarische Welten erkundeten, sondern auch ihre eigene Identität und die sie umgebende Realität neu verhandelten.

Die Islamische Republik Iran nach 1979

Um die volle Tragweite von Nafisis Initiative zu verstehen, ist ein Blick auf den historischen und sozialen Kontext unerlässlich. Die Iranische Revolution von 1979 führte zum Sturz der Monarchie und zur Errichtung einer theokratischen Republik unter der Führung von Ayatollah Chomeini. Diese neue Ordnung brachte tiefgreifende Veränderungen für die iranische Gesellschaft mit sich, insbesondere für Frauen.

Einschränkung der persönlichen Freiheiten: Gesetze wurden erlassen, die das Leben von Frauen stark reglementierten. Die Einführung einer strengen Kleiderordnung, insbesondere des obligatorischen Hidschābs, wurde zum sichtbarsten Symbol dieser neuen Politik. Frauen, die sich widersetzten, sahen sich schweren Strafen gegenüber, von der Verwarnung über Geldstrafen bis hin zum Ausschluss aus dem öffentlichen Leben, wie es Nafisi selbst erlebte.

Zensur und ideologische Kontrolle: Das Regime etablierte eine umfassende Kontrolle über Kultur und Bildung. Literatur, Film, Musik und Kunst wurden zensiert, um sicherzustellen, dass sie mit den islamischen Werten und der Ideologie des Staates übereinstimmten. Westliche Werke, die als Symbol für moralischen Verfall und kulturellen Imperialismus galten, wurden systematisch aus Bibliotheken und Lehrplänen entfernt.

Die Atmosphäre der Angst: Die ständige Überwachung durch die Sittenpolizei und die Angst vor Denunziation schufen ein Klima der Ohnmacht und Sprachlosigkeit. Der öffentliche Raum wurde zu einem Ort der Konformität, während der private Raum zu einem Ort des potenziellen Widerstands wurde.

In diesem Klima der Enge und des Misstrauens war das heimliche Treffen von Nafisi und ihren Studentinnen mehr als nur ein akademisches Seminar; es war ein hochriskanter Akt der Selbstbehauptung.

Die transformative Kraft der Literatur

Der Kern von Nafisis Erzählung liegt in der Wechselwirkung zwischen den gelesenen Texten und dem Leben der Frauen. Die Diskussionen über die Werke von Vladimir Nabokov, F. Scott Fitzgerald, Henry James und Jane Austen wurden zu einem Spiegel, in dem die Teilnehmerinnen ihre eigenen Erfahrungen, Ängste und Hoffnungen reflektierten.

Die Symbolik der ausgewählten Werke

Die Wahl der Autoren war keineswegs zufällig. Jedes Werk bot eine einzigartige Perspektive auf Themen, die für die Frauen von unmittelbarer Relevanz waren:

Vladimir Nabokovs Lolita: Auf den ersten Blick mag die Wahl dieses kontroversen Romans über die Obsession eines Mannes mit einem jungen Mädchen überraschen. Doch für die Frauen in Teheran wurde Lolita zu einer Metapher für das Leben unter einem totalitären Regime. Sie interpretierten die Beziehung zwischen dem Protagonisten Humbert Humbert und Lolita als Allegorie auf die Beziehung zwischen dem Unterdrücker (dem Regime) und dem Unterdrückten (dem Volk). Humbert Humbert beraubt Lolita ihrer Kindheit, ihrer Freiheit und ihrer Identität, indem er sie in seiner eigenen Fantasie gefangen hält – eine Parallele zur Art und Weise, wie das Regime versuchte, die Identität und Individualität seiner Bürger, insbesondere der Frauen, auszulöschen und sie in eine ideologische Schablone zu pressen.Jane Austens Stolz und Vorurteil: Austens Romane, die in einer völlig anderen Zeit und Kultur spielen, eröffneten Diskussionen über soziale Konventionen, Heirat, persönliche Wahl und die Suche einer Frau nach einem selbstbestimmten Leben innerhalb gesellschaftlicher Grenzen. Die Protagonistinnen wie Elizabeth Bennet wurden zu Vorbildern für intellektuelle Unabhängigkeit und moralische Integrität.

Henry James und F. Scott Fitzgerald: Werke wie Daisy Miller oder Der große Gatsby thematisierten Träume, Desillusionierung und das Aufeinanderprallen von individuellen Sehnsüchten mit gesellschaftlichen Erwartungen. Diese Themen fanden bei den jungen Iranerinnen, deren eigene Träume von der politischen Realität erstickt zu werden drohten, tiefen Anklang.

Vom Schatten zur Person: Die Wiedererlangung der Identität

Nafisi beschreibt eindrücklich die Metamorphose der Studentinnen. Außerhalb des Hauses waren sie gezwungen, sich als „schwarz verkleidete Schatten“ zu bewegen, anonym und uniform. In der Sicherheit von Nafisis Wohnzimmer legten sie nicht nur den Tschador ab und zeigten ihre „Jeans und bunten Kleider“, sondern sie legten auch die Maske der Konformität ab.

Analogie: Der Lesekreis funktionierte wie ein Dekompressionsraum. Draußen herrschte der immense Druck der staatlichen Ideologie, der die Individualität komprimierte. Drinnen, im geschützten Raum des Salons, konnte dieser Druck entweichen, und die Frauen konnten sich wieder zu ihrer wahren Form als komplexe, farbenfrohe und vielschichtige Individuen „ausdehnen“.

Durch die Auseinandersetzung mit den literarischen Charakteren und deren Dilemmata fanden die Frauen eine Sprache für ihre eigene Situation. Sie begannen, die ihnen auferlegte Realität, der sie sich lange „sprachlos und ohnmächtig“ gefühlt hatten, aktiv zu hinterfragen und zu analysieren. Die Literatur gab ihnen die Werkzeuge, um ihre eigene Geschichte zu erzählen und sich als Handelnde in ihrem eigenen Leben zu begreifen, anstatt nur passive Opfer der Umstände zu sein.

4. Interdisziplinäre Verbindungen und weiterführende Gedanken

Das Phänomen, das Nafisi beschreibt, lässt sich aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven betrachten:

Soziologie und Politikwissenschaft: Das Buch ist eine Fallstudie über zivilen Ungehorsam und die Bildung von Gegenöffentlichkeiten in autoritären Staaten. Es zeigt, wie kulturelle Praktiken (wie das Lesen) zu politischen Akten werden können.

Literaturwissenschaft: Es unterstreicht die Theorie, dass Literatur nicht nur ästhetischen Wert besitzt, sondern auch eine soziale und ethische Funktion hat. Sie kann Empathie fördern, kritisches Denken schulen und als Katalysator für sozialen Wandel dienen.

Psychologie: Der Lesekreis bot eine Form der Gruppentherapie. Das Teilen von Gedanken und Gefühlen in einem sicheren Umfeld half den Frauen, Traumata zu verarbeiten und Resilienz gegenüber der täglichen Unterdrückung aufzubauen.

Historischer Exkurs: Die Tradition des literarischen Salons als Ort des freien Denkens hat eine lange Geschichte in Europa. Im 18. Jahrhundert, zur Zeit der Aufklärung, waren Salons in Paris, geführt von Frauen wie Madame de Staël, Zentren des intellektuellen Austauschs, in denen neue politische und philosophische Ideen zirkulierten, die die absolutistische Monarchie herausforderten. Nafisis Lesekreis in Teheran kann als moderne Wiederbelebung dieser Tradition unter ungleich gefährlicheren Umständen gesehen werden.

Die zentrale Frage, die das Buch aufwirft – „Was wissen wir mehr über die Situation der jungen Frauen im Iran?“ – bleibt von brennender Aktualität. Bewegungen wie „Frau, Leben, Freiheit“ (Jin, Jiyan, Azadî), die nach dem Tod von Jina Mahsa Amini im Jahr 2022 entstanden, zeigen, dass der Wunsch nach Selbstbestimmung und Freiheit, den Nafisi und ihre Studentinnen im Kleinen lebten, weiterhin eine treibende Kraft im Iran ist.

Literatur als Lebensmittel

„Lolita lesen in Teheran“ ist weit mehr als eine literaturkritische Abhandlung oder eine einfache Biografie. Es ist ein Manifest für die unbezwingbare Natur des menschlichen Geistes und die essenzielle Rolle der Kultur für das Überleben in Zeiten der Tyrannei. Azar Nafisi zeigt, dass Literatur kein Luxus ist, sondern ein Lebensmittel – notwendig, um die Seele zu nähren, den Verstand zu schärfen und die Hoffnung aufrechtzuerhalten. Die Lektüre verbotener Bücher wurde für diese Frauen zu einem Akt der Rebellion, der es ihnen ermöglichte, sich ihre Menschlichkeit und ihre Träume zurückzuerobern, selbst als die Welt um sie herum versuchte, beides zu zerstören.

 

Bewertung:: ★★★★★ (5/5 Sterne) 

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AZAR NAFISI

Foto © Stanley Staniski

Azar Nafisi (geb. 1955 in Teheran, Iran) ist eine iranisch-US-amerikanische Hochschulprofessorin und Schriftstellerin, die sich für Frauen- und Menschenrechte in muslimischen Kulturen engagiert. Ihr bekanntestes Werk ist der 2003 erschienene autobiographische Roman „Lolita lesen in Teheran“, in dem sie über ihr Leben und ihre Erfahrungen in der Islamischen Republik Iran berichtet.

Sie wuchs in Teheran auf. Ihr Vater Ahmad Nafisi war von 1961 bis 1963 Bürgermeister von Teheran, ihre Mutter Lehrerin. Mit 13 Jahren verließ Nafisi den Iran, um eine Schule in Lancaster in England und später eine weitere in der Schweiz zu besuchen. Mit 17 Jahren heiratete sie, ohne die Unterstützung ihrer Eltern, und verließ mit ihrem Ehemann erneut den Iran mit Ziel USA. 

In Norman, Oklahoma, studierte Nafisi englische und amerikanische Literatur. An der dortigen Universität trat sie der Iranischen Studentenbewegung bei, wurde aber nie zu einer engagierten Aktivistin. 1972 machte sie den Bachelorabschluss in englischer Literatur und Philosophie, 1974 den Master in englischer Literatur. Nach drei Jahren Ehe ließ sie sich scheiden, blieb aber weiterhin in Norman. 1977 heiratete sie Bijan Naderi.

1979, kurz bevor Beginn der Islamischen Revolution, kehrte das Paar zurück in den Iran. Nafisi unterrichtete an der englischen Fakultät der Universität Teheran, beendete ihre Dissertation zum Thema „The Literary Wars of Mike Gold: A Study of the Proletarian Literature of the 1930s“. Noch im selben Jahr wurde ihr der Doktortitel für englische und amerikanische Literatur verliehen.

Da sich die Verhältnisse im Iran verschlechterten, war ab 1980 die Ausreise nicht mehr möglich. 1981 wurde sie von der Universität suspendiert, da sie sich weigerte, sich zu verschleiern. So war sie gezwungen, mehrere Jahre zu Hause zu verbringen. 1984 brachte sie ihr erstes Kind zur Welt, im darauffolgenden Jahr ihr zweites. 1988 begann sie wieder zu unterrichten und zwar als Gastprofessorin an der Freien Islamischen Universität und der Allameh Tabatabai Universität. Sie arbeitete an ihrem ersten Buch, das 1994 im Iran publiziert wurde

Von 1995 bis 1997 gab Nafisi private Workshops für ausgewählte Studentinnen in ihrem Zuhause in Teheran. Auf diesen Treffen wurden nicht nur literaturwissenschaftliche Themen, sondern auch Fragen zur Kulturwissenschaft und den Menschenrechten diskutiert. Die Treffen mussten aufgrund der strengen Regeln, die das islamische Regime Frauen auferlegt hat, im Geheimen stattfinden und bildeten die Grundlage für „Lolita Lesen in Teheran“. 1997 emigrierte Nafisi mit ihrer Familie endgültig in die USA. Im selben Jahr nahm sie eine Professur an der School of Advanced International Studies der Johns-Hopkins-Universität in Washington, DC an. Dort unterrichtet sie bis heute.

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Der zweifach verfilmte Roman einer fatalen Obsession, ein Weltbestseller: Der Literaturwissenschaftler Humbert verliebt sich in das noch sehr junge Mädchen Dolores Haze, nennt sie «Lolita». Die einseitige Leidenschaft mündet in einer Odyssee quer durch die USA und am Ende in einen Mord.

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LOLITA


Lolita ist ein US-amerikanisch-französisches Filmdrama von Adrian Lyne aus dem Jahr 1997. Die Hauptrollen spielten Dominique Swain und Jeremy Irons. Die Handlung basiert auf dem Roman Lolita von Vladimir Nabokov aus dem Jahr 1955. Der Roman wurde bereits im Jahr 1962 von Stanley Kubrick unter demselben Titel verfilmt. 

FILM - HANDLUNG (LOLITA 1997)

Humbert Humbert verliebt sich im Alter von 14 Jahren in ein gleichaltriges Mädchen. Dieses stirbt jedoch bald darauf an Typhus, was ihn zeitlebens beeinflusst. 

Im Jahr 1947, als Erwachsener, mietet er bei der Witwe Charlotte Haze ein Zimmer. Er will in New Hampshire den Sommer verbringen und dann eine Stelle als Literaturprofessor in Beardsley, Ohio, antreten. Während seines Aufenthalts lernt er die Tochter seiner Vermieterin, die frühreife 12-jährige Dolores, Spitzname „Lolita“, kennen, in die er sich sofort verliebt. Dolores beginnt, ihn durch körperliche Annäherung für sich zu gewinnen.

Einige Zeit später gesteht Charlotte ihrem Untermieter mit einem Brief ihre Liebe und bittet ihn, das Haus zu verlassen, bevor sie zurückkommt, da sie sein Verbleiben als Zeichen gegenseitiger Liebe werten würde. Humbert entschließt sich jedoch zu bleiben und heiratet Charlotte – obwohl er die Witwe verachtet –, um weiterhin in der Nähe von Dolores bleiben zu können. Charlotte Haze schickt das Mädchen mit der Zahnspange jedoch bald darauf in ein Ferienlager, danach soll es sofort in ein Internat ziehen. Humbert ist davon sehr betroffen. Seine Gedanken drehen sich nur um Dolores; er stellt seine Frau mit Schlaftabletten ruhig.

Einige Wochen später bricht Charlotte eine verschlossene Schublade seines Schreibtischs auf und entdeckt darin sein Tagebuch, aus dem sie von seiner Abneigung ihr gegenüber und seiner sexuellen Obsession für Dolores erfährt. Als Humbert nach Hause kommt, konfrontiert sie ihn damit und sagt ihm, dass er Dolores niemals wieder sehen werde. Humbert geht in die Küche und bereitet zwei Drinks zu. Dann erfährt er telefonisch, dass seine Frau, die fluchtartig das Haus verlassen hatte und vor ein Auto gelaufen war, tot ist. Humbert verbrennt die kompromittierenden Briefe im Kamin des Hauses.

Nachdem Humbert sich gefasst hat, holt er Dolores vorzeitig aus dem Ferienlager ab, erzählt ihr jedoch zunächst nicht vom Tod ihrer Mutter. Er begibt sich mit ihr in ein Hotel, in dem die beiden zum ersten Mal flüchtig auf den Theaterautor Clare Quilty treffen. Clare Quilty zeigt sein Interesse an Dolores.

Schließlich teilt Humbert Dolores den Tod der Mutter mit. Die beiden reisen per Auto durch Amerika, wobei sich eine leidenschaftliche Liaison entwickelt. Auf dem Weg durch die Länder und Orte, durch die ihre Reise führt, plagt Humbert immer mehr sein schlechtes Gewissen. Eines Tages lassen sie sich in einer Kleinstadt Neuenglands nieder und beginnen dort ein neues Leben. Humbert gibt sich nun als der Vater von Dolores aus und geht weiterhin seinem Beruf als Professor nach; Dolores, mittlerweile 14 Jahre alt, geht zur Schule.

Als Humbert erfährt, dass Dolores unüblicherweise zwei Klavierstunden versäumt hat, entsteht ein heftiger Streit, nach dem Dolores wegläuft. Humbert findet sie in einer Kneipe wieder und sie beschließen, den Wohnort zu verlassen und erneut durch Amerika zu reisen. Während dieser Reise werden sie – wie sich später herausstellt von Quilty – verfolgt, der es auf Lolita abgesehen hat. Als Lolita infolge einer Viruserkrankung im Krankenhaus behandelt werden muss, wird sie einen Tag nach ihrer stationären Aufnahme von Quilty, der sich gegenüber dem Krankenhauspersonal als Lolitas „Onkel Gustave“ ausgegeben hat, abgeholt. Humbert, getrieben von seiner Verzweiflung über ihr Verschwinden, begibt sich auf die Suche nach ihr, verliert aber ihre Spur und kehrt nach Hause zurück.

Drei Jahre später erhält Humbert einen Brief von Dolores. Sie ist mittlerweile verheiratet, schwanger und in Geldnöten. Er besucht sie und versucht sie zu überreden, zu ihm zurückzukehren, doch sie weist ihn ab. Er erfährt von Lolita, dass Quilty der Mann war, der sie damals aus dem Krankenhaus mitgenommen hatte, dass dieser pornographische Filme mit Kindern drehte und Dolores sich damals sehr von ihm angezogen fühlte und daher mit ihm ging.

Humbert beschließt, Quilty aus Rache zu erschießen. Als er eines Tages in Quiltys Haus eindringt, findet er dessen hebephile Neigungen bestätigt und auch, dass Dolores mit ihm mitkommen wollte, als er sie aus dem Krankenhaus „entführte“. Quilty bietet Humbert an, bei ihm einzuziehen; Humbert tötet Quilty mit mehreren Schüssen. Danach wird er von der Polizei verfolgt, die ihn einholt.

Der Film endet mit den Einspielungen, dass Humbert an einer Krankheit im Gefängnis verstorben sei; ebenso Dolores: kurz nach ihm, im selben Jahr am Weihnachtstage während der Geburt ihres Kindes.
(QUELLE: WIKIPEDIA)