Die LIWE Lesereihe Vier
Oktober 2025 bis März 2026
Kann man die USA noch lieben, will man da noch hin?
(US-amerikanische Literatur)
"Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns" (Franz Kafka)
Für Franz Kafka war das Lesen von Büchern von existentieller Bedeutung, so beschrieb er dies in einem Brief an Oskar Pollak, 27. Januar 1904 mit folgenden Worten:
" Wir brauchen aber die Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in Wälder vorstoßen würden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord, ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.”
Bücher berühren uns, verändern unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit und den Blick auf die Welt. Bücher können unsere Gedanken aufbrechen.
LiWe Empfehlung
- Die Präsenzveranstaltung hat am 14. Oktober 2025 stattgefunden.
- Die Online-Veranstaltung hat am 16. Oktober 2025 stattgefunden.
Autor Colson Whitehead, Abkömmling der schwarzen Mittelklasse und Harvard-Absolvent, widmet sich in seinem Roman „Underground Railraod“ der Entrechtung, Unterdrückung und Vernichtung von Schwarzen durch Weiße in den USA.
Sklaverei und weißes Herrenmenschendenken.
UNDERGROUND RAILROAD von COLSON WHITEHEAD
Colson Whiteheads Bestseller über eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte Amerikas
Cora ist nur eine von unzähligen Schwarzen, die auf den Baumwollplantagen Georgias schlimmer als Tiere behandelt werden. Alle träumen von der Flucht – doch wie und wohin? Da hört Cora von der Underground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk für Sklaven. Über eine Falltür gelangt sie in den Untergrund und es beginnt eine atemberaubende Reise, auf der sie Leichendieben, Kopfgeldjägern, obskuren Ärzten, aber auch heldenhaften Bahnhofswärtern begegnet. Jeder Staat, den sie durchquert, hat andere Gesetze, andere Gefahren. Wartet am Ende wirklich die Freiheit?
- Die Präsenzveranstaltung hat am 11. November 2025 stattgefunden.
- Die Online-Veranstaltung hat am 13. November 2025 stattgefunden.
Auf den Hund gekommen
DER FREUND von SIGRID NUNEZ
Als die Ich-Erzählerin, eine in New York City lebende Schriftstellerin, ihren vertrautesten Freund, einen Schriftsteller und Literaturdozenten verliert, bekommt sie überraschend dessen Hund vermacht. Apollo ist eine riesige Dogge, die achtzig Kilo wiegt. Ihr Apartment ist eigentlich viel zu klein für ihn, außerdem sind Hunde in ihrem Mietshaus nicht erlaubt. Aber irgendwie kann sie nicht Nein sagen und nimmt Apollo bei sich auf, der wie sie in tiefer Trauer ist. Stück für Stück finden die beiden gemeinsam zurück ins Leben.
National Book Award 2018
- Die Präsenzveranstaltung hat am 9. Dezember 2025 stattgefunden.
- Die Online-Veranstaltung hat am 11. Dezember 2025 stattgefunden.
Das Setting - Die 116th Street auf der Upper Westside in Manhattan.
THE STREET von ANN PETRY
Ann Petrys 1946 im Original erschienener Roman "The Street" erzählt ein erschreckend aktuelles Kapitel aus der Geschichte des rassistischen Amerika. Ein Roman, aktueller denn je.
Als alleinerziehende Mutter kämpft Lutie Johnson unerschütterlich für ihre eigene Würde und darum, ihren kleinen Sohn Bubb inmitten all der Armut, Gewalt und rassistischen Verachtung, die sie umgibt, zu einem anständigen Menschen heranzuziehen. Schauplatz ist die 116th Street auf der Upper Westside in Manhattan. Keiner entrinnt dieser verkommenen Welt, in der Menschen zwangsläufig roh und stumpf und zu kriminellen Verzweiflungstaten hingerissen werden. Lutie ist entschlossen, den Absprung in ein besseres Leben zu schaffen, doch die Niedertracht der Straße und die Bosheit eines menschenverachtenden Systems stellen sich ihr mit aller Macht in den Weg.
LiWe Empfehlung
Die LiWe-Lesetreffs haben am Dienstag, den 13. Januar 2026 (Präsenz) und am 15. Januar (Online) 2026 stattgefunden.
In einer postindustriellen, sterbenden Kleinstadt mit dem fiktiven Namen Vacca Vale - in einer "deindustrialisierten Zombiestadt" im Mittleren Westen der USA porträtiert Gunty die Bewohnerinnen und Bewohner eines heruntergekommenen Apartmentkomplexes - des sogenannten Kaninchenstalls.
mega skurrile prosa
DER KANINCHENSTALL von TESS GUNTY
original: The Rabbit Hutch
Tess Gunty ist die jüngste Preisträgerin des National Book Award seit Philipp Roth und das größte Talent der amerikanischen Literaturgeschichte seit David Foster Wallace.
Der Roman spielt in der fiktiven, sterbenden Stadt Vacca Vale (Indiana) und folgt einer Gruppe von Figuren über einen Zeitraum von drei Sommertagen, als ihre Leben heftig kollidieren. Seit der Deindustrialisierungswelle der 1980er und 90er Jahren, als die einstigen Industriehochburgen mit ihrer Stahlproduktion sowie der Automobil- und Waffenindustrie begannen, ihre Bedeutung für die amerikanische Wirtschaft zu verlieren, steht dieser Teil der USA für Niedergang und Hoffnungslosigkeit.
"La Lapinière Affordable Housing Complex"
»Der Kaninchenstall« verspricht eine solch intensive Lektüre, dass man kaum noch von »lesen« sprechen mag. »Durchleben«, »durchstaunen« wären bei diesem Meisterwerk weitaus angebrachter, gar »Erlebnis« kommt einem in den Sinn. »Lebensverändernd« ist sie mindestens, die Lektüre dieses Romans.
Die ätherische Blandine, die eine Obsession für Hildegard von Bingen entwickelt hat und durch das System gefallen zu sein scheint, lebt nur durch die dünnen Wände eines schäbigen Apartmentkomplexe von ihren skurrilen Nachbarn getrennt: einer Frau, die online Nachrufe schreibt, einer jungen Mutter mit einem dunklen Geheimnis und jemandem, der im Alleingang einen Feldzug gegen Nagetiere führt. Willkommen im Kaninchenstall.
Ein Wimmelbild geplatzter Träume und Hoffnungen, Enttäuschungen und Einsamkeit. "Jede Kreatur tut, was sie kann, mit den Ressourcen, die sie hat".
Die LiWe-Lesetreffs haben am Dienstag, den 10. Februar 2026 (Präsenz) und am 12. Februar (Online) 2026 stattgefunden.
"Ich wollte schreien. Ich wollte ihn zurück."
Das Jahr magischen Denkens von Joan Didion
„Wenn uns etwas fortgenommen wird, womit wir tief und wunderbar zusammenhängen, so ist viel von uns selbst fortgenommen."
Rainer Maria Rilke
Eine eindringliche und präzise Abhandlung über die Erfahrung des Verlusts eines nahestehenden Menschen.
In Didions wahrscheinlich bekanntestem und persönlichstem Werk beschreibt sie den plötzlichen Tod ihres Mannes John Dunne und den Verlauf der lebensbedrohliche Krankheit ihrer Tochter Quintana.
In ihrem autobiografischen Buch erzählt sie von ihrer Trauer, ihren Gedanken und Empfindungen in der Zeit nach all den Geschehnissen. Dieses Buch ist das Bemühen, das Unfassbare begreiflich zu machen. Es zeigt eine beeindruckende Allgemeingültigkeit auf.
Weit mehr als ein Buch über Tod und Trauer – viel mehr ein Buch über Leben und Zukunftsglauben.
«Natürlich wusste ich, dass John tot war… Trotzdem war ich keineswegs darauf vorbereitet, diese Nachricht als eine endgültige zu akzeptieren: Es gab eine Ebene, auf der ich glaubte, dass das, was passiert war, rückgängig gemacht werden konnte. Deshalb musste ich allein sein… Ich musste allein sein, damit er zurückkommen konnte. So begann mein Jahr des magischen Denkens.»
aus "Das Jahr magischen Denkens"
Der Präsenz-Lesetreff hat am Dienstag, 10. März 2026, 19:00 bis 20:30 Uhr stattgefunden. Der Online-Lesetreff am Donnerstag, 12. März 2026, 18:30 bis 19:30 Uhr, ist aus technischen Gründen ausgefallen.
Vier Wochen nach Erscheinen des Romans nahm Plath sich das Leben.
Die Glasglocke von Sylvia Plath
„Die Glasglocke“ von Sylvia Plath ist ein Klassiker der feministischen Literatur. Es geht im Buch um die Erlebnisse einer jungen Frau, die soeben das College beendet hat und nun ihren Weg in den USA der 1950er sucht
Am 14. Januar 1963 erschien Die Glasglocke unter dem Pseudonym Victoria Lucas bei Heinemann in Großbritannien, vier Wochen, bevor Sylvia Plath Suizid beging. Erst 1967 wurde der Roman unter Sylvia Plaths Namen neu veröffentlicht, und 1971 erschien er erstmals in den Vereinigten Staaten und avancierte sofort zum Hit, vor allem in der feministischen Bewegung, die sich in den USA endlich zu regen begann.
"Die Glasglocke" ist ein eindringliches literarisches Werk, das die psychische Krise der Protagonistin Esther Greenwood in den Mittelpunkt stellt. Die Autorin zeichnet mit schonungsloser Offenheit das Bild einer jungen Frau, die zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und ihrem eigenen Selbstverständnis zerrieben wird. Plaths Sprache ist klar, präzise und oft von einer melancholischen Intensität geprägt, die den Leser tief berührt.
Besonders beeindruckend ist die Schilderung von Esthers Gefühlen der Entfremdung und Isolation, die metaphorisch durch die titelgebende „Glasglocke“ verstärkt werden. Der Roman bietet einen authentischen Einblick in das Innenleben einer Person, die mit Depressionen und dem Gefühl der Ausweglosigkeit kämpft. Dabei bleibt Plath stets respektvoll und vermeidet jegliche Sensationslust.
"Die Glasglocke" ist ein bewegendes und kraftvolles Buch, das auch heute seine Relevanz nicht verloren hat. Es lädt zur Auseinandersetzung mit Themen wie psychischer Gesundheit, weiblicher Identität und gesellschaftlichem Druck ein.
>> Es ist leichter das Buch zu behalten, als das was drinnen steht. <<
(Michel de Montaigne, französischer Philosoph und Essayist, 1533 – 1592)